I am Like i am

In diesem Bild geht es um Selbstliebe und Selbstakzeptanz

Als ich anfing diese Website zu gestalten, sagte meine Tochter als Kommentar:

Mama, das bist nicht Du. Das ist zu nüchtern, langweilig"

Wie soll ich als Laie verstehen was Du da sagen willst? Schreib es so wie Du es mir erzählst. Du bist viel verspielter…“So also saß ich da wie ein großes Fragezeichen. Wie male ich ein Bild mit dem ich Kunstsinnlich ausdrücken kann?

 

kunstsinnlich

 

Ich ließ mich fotografieren spontan, ungestylt und druckte sie schwarz weiß aus. Als ich sie anschaute, war meine erste Reaktion: „O mein Gott, das bist Du?“ (Kennen Sie bestimmt auch). Mehrere Tage lagen sie da. Ich schaute sie an, legte sie wieder weg.

Dann fing ich an sie zu kolorieren mit Farbstiften. Ein merkwürdiges Gefühl, mir selber Farbe zu geben. Wie eine Art Schöpfungsarbeit, sich selber ganz nahe. Jedem der 4 Bilder gab ich andere Farben: natürliches Gesicht, gelbes Gesicht mit lila Haaren, braunes Gesicht mit roten Haaren, blaues Gesicht mit weißen Haaren. Braun und Blau verdüsterten meine Stimmung. Ich dachte an vier Jahreszeiten, an Alterungsprozesse. Gelb brachte mich zum Lachen und natürliches mit grünen Haaren wurde mein Favorit.

Dann schnitt ich die Köpfe aus und wollte sie zunächst alle 4 auf eine Leinwand kleben als Collage. Nein – geht gar nicht. Also nur eines in die Mitte. Dann gestaltete ich den Hintergrund mit verschieden gemusterten Papierschnipseln, wählte unwillkürlich Acrylfarben. Zog Linien, Kreise, Schnörkel, spielte mit den Farben. Ich folgte den so entstandenen Mustern, verstärkte oder verwischte sie.

Die Kritikerstimmen wurden laut: Das ist zu bunt, das sieht aus wie ein Faschingsbild, zu viele Schnörkel… Sie werden dich auslachen, wer will denn sowas sehen? Das innerliche Geplapper wurde immer lauter. Und doch: „Ich schaute in ein lachendes Gesicht, in mein eigenes!

In meiner Website möchte ich diese Prozesse mit euch teilen. Möge der eine oder andere sich davon inspirieren lassen. Möge er/sie die Lust bekommen es selber auszuprobieren. Die erste Reaktion ist meistens: ich kann nicht malen, ich will mich nicht blamieren. – Das kommt wohl daher, weil wir bei Kunst sofort einen van Gogh oder da Vinci vor Augen haben. Aber so einzigartig wie jeder Mensch ist, so einzigartig ist seine/ihre Kreativität, seine/ihre Bildsprache.

Zurück zum Malprozess: ein Mandala auf dem Kopf (ich liebe Mandalas). Das war der erste Tag. Am nächsten Morgen sitze ich davor. Ich sehe ein farbenfrohes Bild mit einem Gefühl von Lebensfreude und denke: Ja, das alles bist du. Auf diesem Bild darf alles geschehen, darf alles bunt sein. Dieses Bild ist ein Geschenk an mich selber.

Weitermalen, weiter spielen, schauen was passiert. Am 4. Tag ist der „Flow“ vorbei. Auf einmal war ich unzufrieden, hatte an allem etwas auszusetzen. Die Haare zu grün – also türkis. Das Herz zu zuckersüß – also übermalt. Die Haare zu lang – also übermalt. Das beherrschende Gefühl: Die Farben müssen sich anpassen. Wie ich selber? Wie oft passe ich mich den anderen an, ohne Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse? Die Farben müssen sich an mein Porträt anpassen. Warte ich darauf, dass meine Umgebung sich an mich anpasst? Mit diesen Gedanken kam die totale Blockade. Am liebsten hätte ich das Bild in Stücke zerhauen, so frustriert war ich. Nichts passte mehr zueinander.

Am darauffolgenden Tag ging ich dem Bild aus dem Weg. Schaute ab und zu darauf und dachte: „was für eine blöde Idee“. Um diesen Gedanken Ausdruck zu geben, übermalte ich den kompletten unteren Teil mit weiß. Dann wieder Farbe. Und so ließ ich es an dem Tag.Der 7. und letzte Tag.

Ich ging auf „Spurensuche“. Welche Formen und Konturen zeigen sich in den Farben. Die habe ich mit schwarz nachgezogen um den neu gefundenen Formen Präsenz zu geben. Die Freiheit, das Spielerische ist wieder da, kommt zum Vorschein.So verstärkte ich hier, verwischte da und das Gefühl von Freude und Zufriedenheit machte sich breit.

Das Endergebnis sehen Sie hier. Es schenkt mir eine unglaubliche Befriedigung, obwohl, oder gerade weil es jetzt ganz anders aussieht. Besser, als ich mir es hätte vorstellen können. Und auch, weil ich im schwierigen Teil nicht aufgegeben habe.

Kunstsinnlich ist sich mit allen Sinnen auszudrücken. Den Gedanken und Gefühlen Raum geben. Zu spielen, weiter zu malen trotz Blockaden. Der Intuition oder der inneren Stimme zu folgen.