Erinnerungen

Ein Leben gleicht einer kleinen Stadt. Äußerlich sieht man den Häusern nicht an, welche Erinnerungen darin wohnen. Wie oft geht man zurück in die Vergangenheit, erlebt wieder und wieder was geschehen ist.

Spontan, ohne zu wissen was mich erwartet, habe ich vor einiger Zeit einen kreativen Online-Kurs belegt. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass es hauptsächlich um Engel geht. Engel ordnen wir ja hauptsächlich der Religion oder dem Jenseits zu, so hatte ich anfangs ziemliche Probleme mich auf dieses Thema einzulassen.

Nicht, weil ich keinen Glauben hätte – Nein, im Gegenteil. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Spiritualität. Meine Probleme lagen vielmehr in der Darstellung. Ich halte Engel für Energien oder Kräfte, die keinen so menschlichen Körper haben. Aber gut, anders können wir sie, auch ich selber nicht, ausdrücken.

 

Bild Erinnerung

 

An diesem Kurs nehmen rund 100 Frauen aus allen Teilen der Welt teil. Wir tauschen über FB unsere Gedanken aus und malen zum jeweiligen Thema unser eigenes Bild. Ohne Vorgaben.

Das Bild „Erinnerungen“ ist im Rahmen dieses Kurses entstanden. In diesem Bild geht es um blockierte Energien. Welche Erziehungsmuster, eigene Lebenserfahrungen oder Meinungen hindern uns daran, unser (kreatives) Potential zu entfalten? Im Blog las ich dann:“ Ich habe noch nie gemalt. Ich bin nicht gut genug. Malerei ist eine brotlose Kunst. Unnützer Zeitvertreib…“ – und noch viel mehr.

Doch dann erzählen die Frauen ihre Geschichten: Der Verlust eines Kindes, Krankheiten von Angehörigen oder eigene, Arbeitslosigkeit, Ängste, Partnerschaftsprobleme… Kurz, alle inneren und äußeren Nöte. Alle versuchen wir, unser eigenes bildlich sichtbar zu machen. Diesem inneren Geschehen einmal „ins Gesicht“ zu schauen.

Das Bild Erinnerungen zeigt meine Gedanken. Jedes der Häuser ist ein Symbol für einen Lebensabschnitt. Wie oft geht man zurück in die Vergangenheit. Wieder und wieder erlebt man die Situationen sobald man dieses „Haus betritt“. Obwohl man genau weiß dass daran nichts mehr zu ändern ist. Es scheint mir, dass manche dieser Erinnerungen einen daran hindern unser Leben zu genießen, es zu schätzen, anzunehmen oder offen zu sein für Veränderungen. Manchmal schnürt die Vergangenheit das Herz zu. Die Angst diese Begebenheiten noch einmal zu erleben, von neuem verletzt zu werden ist groß. So verschließt mancher sein Herz.

Eine andere Patientin mit Krebs im Endstadium, sagte einmal zu mir:

„Das Gefühl, das den Schmerz auslöst ist größer als der Schmerz selbst.“ Welch ein tiefer Ausdruck! Was mag dieser Frau alles passiert sein im Leben!

Zurück zum Bild. Die Geburt des Engels über einem der Häuser ist für mich das Symbol für ein Loslassen des Alten und das Zulassen von Neuem, Schönem. (Schön, weil Engel immer schön sind und ihre Energie immer hilfreich und bereinigend). So soll mich mein Bild täglich daran erinnern, die alten Häuser nicht mehr zu besuchen, geschweige denn darin zu leben. Im Hier und Jetzt zu leben schafft Platz für Neues und Schönes.

Acryl, Mixed Media auf Leinwand. 80 cm x 80 cm

Schreibt mir eine Mail